Archiv

Immer wenn ich dusche sehe ich diesen Hasen

Das Hasengesicht an unserem Boiler der direkt an der Seitenwand zu unserer Badewanne ist.

Gruseligerweise erinnert der Hase mich an den Film Donnie Darko.

Der Hase gehört zur Marke "Vaillant"

 

1 Kommentar 2.7.10 02:41, kommentieren

Frisuren??

Ich gebs ja zu, ich hab mit denen nichts am Hut.

Seit 6 Jahren lauf ich mit der selben Frisur herum, außer wenn mich Leute ab und zu umstylen. Zum Beispiel an meinem Abi-Ball vor 2 Jahren...

Heute gehe ich auf einen Ball.

Kleid steht bereit. Schuhe auch....nur was mache ich mit meinen wilden langen Haaren?....

3 Kommentare 2.7.10 11:10, kommentieren

Voller Motivation

Seit Wochen lebe ich nun vor mich hin. Nach der Uni-Absage war garnichts mehr. Ich wusste nicht was ich die nächsten 10 Monate machen wollte bis ich mich nochmal bewerben kann.


Ich habe nur meine Zeit totgeschlagen. Immer mit dem Gedanken, dass ich wieder in einen normalen Rythmus zurückkehren und meine Zeit die ich bekommen habe nutzen muss.
Bis heute habe ich den Einstieg nicht geschafft.


Immer wieder habe ich mir vor dem Schlafen gehen gesagt; Morgen ist der Tag, Morgen fange ich an meinen Träumen nachzugehen. Dann kam der Morgen und die Motivation war verflogen. Dann habe ich nur den Moment gelebt, alle Pläne nach hinten geschoben, meine Freiheit genossen.

Ich glaube heute ist so ein Tag wo meine Motivation im Höhepunkt steht.
Heute durfte ich mich noch einmal an meine Schulzeit erinnert fühlen und meinen Schulleiter treffen.


Wie war meine Schulzeit?
Sie war ziemlich einsam, ab und zu getröstet von lieben Menschen um mich herum.
Krankheiten, Unfälle, Verletzungen. Familienprobleme. Andere Private Probleme. Probleme, Probleme.
Natürlich der traumatisierende jugendliche Herzschmerz (wohl nichts unnormales in dem Alter).
Schlechte Noten. Gute Noten. Freunde, Feinde und die schicksalhafte Entdeckung meiner kreativen Ader.


Mit den schlechten Erinnerungen sollte Schluss sein nach meinem Abi. Dem war auch dann so. Das Leben nach dem Abi war wundervoll. Zum ersten Mal hatte ich die Freiheit mein Weg selbst zu wählen, unter Leuten zu sein, bei denen ich mich wohl fühlte.


So habe ich mein Leben bis heute geführt, habe zwei Absagen von meiner Lieblingsuni in der Tasche und so langsam geht mir die Puste aus.
Die fing ehrlich gesagt schon Anfang des Jahres an mir auszugehen. Ich denke ich muss wieder was für mich tun. Auch wenns mich mein Gespartes kostet.
Müsste mal wieder unter neue Leute. Ich meine nicht wieder arbeiten, sondern z.B. wieder einen Sprachkurs besuchen. Japanisch in Stuttgart fällt schonmal flach. JLPT Lvl 3 habe ich ja schon und das Niveau in der Volkshochschule geht soviel ich weiß nur bis Lvl 3...


Näher beschreiben werde ich es nicht, aber ich habe es als eine Art Zeichen empfunden, dass ich heute nach Mitternacht, als ich den einsamen Gang zu unserer Haustür lief und nach dem Schlüssel suchte Schritte hörte. Ich begegnete meiner Nachbarin , die schon seit einem halben Jahr (schätze ich) im selben Haus gewohnt hat und mit der ich erst vor 2-3 Tagen zum ersten Mal geredet hatte.


Deshalb werde ich meinen Plänen, die ich Jahre lang aufgeschoben habe, versuchen Schritt für Schritt nachzugehen und fange morgen damit an.

 

2 Kommentare 3.7.10 02:11, kommentieren

Das Ei

Eckenlos runde Formen
stehen und liegen
Seiten an Seite
auf dem liebevoll kratzigen
verlaubten Heim


Dann rollt eins zur Seite,
nach vorn, nach hinten
Ein Sprung nach links,
nach rechts, nach oben


Ein Stoß mit dem Fuß
und ich durchstoße
die zu eng gewordenen Wände meines
vertrauten Heims.



Samstag, 3. Juli 2:45

1 Kommentar 3.7.10 02:47, kommentieren

Gedanken zum Film Alice im Wunderland

Die Schauspielerin, die Alice spielt, erinnert mich an einen Jungen in meiner Schulzeit. Ein 6.-Klässler, den ich um seine freie Kindheit beneidet habe.

4.7.10 01:15, kommentieren

Von seelischen Narben und anderen Falten

Wer kennt das nicht? Eigentlich ist man ein positiver Mensch. Man hat Spaß, lebt in der Gegenwart und hat dabei trotzdem genug Vernunft um ab und zu seine Zukunft zu planen. Eigentlich hat man die beste Balance in Sachen Lebenseinstellung zusammengesucht und genießt das schöne Leben.


Wenn nur die Einstellung stimmt, dann würde man über die schlimmsten Dinge hinweg kommen. Manche nennen es „Verarbeiten“ andere „Verdrängen“ und wieder andere „Vergessen“.


Aber was wenn es wiederkommt? Man denkt man hat eine Sache vollkommen überwunden. Immerhin heilt ja die Zeit alle Wunden und jahrelang war die Sache kein Problem mehr. Aber dann kommt es wieder und spukt einem im Kopf herum. Gewaltiger als je zu vor. Als ein pulsierender Vulkan, dessen nächste Explosion zwar sicher ist aber dessen Zeitpunkt ungeklärt bleibt.


Dann versteckt man sich hinter einer Maske, man versteckt sich hinter einer lächelnden Lüge und wird vielleicht sogar ab und zu von seiner eigenen Lüge selbst hereingelegt.


Warum auch nicht? Das soll ja auch der Sinn der Sache sein. Es ist der leichtere Weg um der Situation zu entfliehen und „über Dinge hinweg zu kommen“.


Mit der Zeit lächelt das Gesicht zwar noch, aber Falten sind entstanden; Zeichen der unsichtbaren Anstrengungen, denen der Körper auf Dauer nicht standhalten konnte.


Falten? An sich kein großes Problem.
Kosmetik hilft aber nur bedingt. Irgendwie schafft man es immer wieder die Fältchen zu überdecken oder sich andere Akzente zu setzen um die Blicke abzulenken.
Wenn das Äußere erst einmal stimmt, dann kann man sich von innen regenieren,… denkt man.
Aber die Zeit reicht dafür nur begrenzt aus.


Irgendwann breiten sich die Falten aus. Sie entstehen an Orten, die auf einem realen Gesicht gar nicht entwickelbar wären bis sie irgendwann die ganze Oberfläche eingenommen haben (aber so weit muss man es ja nicht kommen lassen).
Natürlich rede ich hier von den Falten der Seele. Gleichzusetzen wie Narben, Furchen oder andere seelische Wunden. Falten klingen halt für mich neutraler…unparteiischer.


Und irgendwann schaut man in sich hinein und erkennt sich nicht wieder. Das Gesicht hat sich vollkommen verändert. Das muss nicht zwingendermaßen negativ sein. Es hat sich einfach nur verändert. Trotzdem mag es einem doch schockierend vorkommen, wenn man sich als junger Mensch nach einer kurzen Zeit nicht mehr wiedererkennt.


Ein von der Zeit gezeichnetes Gesicht hat auch seine Reize… denn wie bekannt ist, erzählt jede Narbe eine Geschichte.


Ich bin stolz auf meine Falten aber die dunklen pulsierenden Narben wage ich nicht anzurühren, denn ich werde ihnen soweit es in meiner Macht steht nicht die Gelegenheit geben wieder aufzuplatzen.
Weil
jeder vergangene Tag ein Sieg gegen meine explosiven Narben ist und ich mit jedem Sieg selbstbewusster werde.
Und wenn sie das nächste Mal aufplatzen werde ich deutlich mehr Siegeserfahrung haben … und sie von Neuem besiegen.

2 Kommentare 4.7.10 22:46, kommentieren

Die verfluchten Haare

Eines kalten Wintertages fand ein betagter Herr ein Waisenkind auf der Straße und nahm sie bei sich auf. Im Laufe der folgenden Tage machte er eine unheimliche Beobachtung; als er das Kind auf der Straße gefunden hatte, waren ihre Haare blond, kurz und zerzaust gewesen, sie hatte dunkle Ringe unter ihren Augen und schien unterernährt gewesen zu sein. In seiner Obhut jedoch wuchs dem Kind langsam das Haar und fing an glatt und gleichmäßig um ihren Kopf zu fallen. Dabei veränderte sich die Haarfarbe je länger die Haare wurden. Am Ansatz blieb es hell und ging nach einigen Zentimetern von dort in braunes, rötliches und letztendlich in schwarzes Haar über. Und als ob dies nicht genug wäre veränderte sich sogar ihr Aussehen. Mit den Haaren wuchs auch ihre Schönheit.

Aus Angst, dass man das arme Kind der Hexerei bezichtigen könnte bändigte er diese äußere Entwicklung indem er ihr das Haar kurz schnitt.
Wunderlicherweise wuchsen ihr die Haare zehnmal so schnell nach wie bei anderen Kindern und seitdem wurde dem Mädchen jede Woche die Haare geschnitten.
So vergingen Wochen, Monate und Jahre, bis das Mädchen volljährig wurde und der alte Herr eines plötzlichen Todes starb.  
In ihrer Trauer um ihren Ziehvater vergaß sie sich die Haare schneiden zu lassen und bemerkte als sie eines Tages in den Brunnen starrte, dass die längeren Haare, die um ihren Kopf fielen, ihr Gesicht noch hübscher machten als zuvor. Die Trauer um ihren Vater verflog und jeden Tag beobachtete sie voller Spannung wie ihre Haare wuchsen und sie selbst immer schöner wurde und ihre Haare gänzlich die blonde Farbe verschluckt hatten.
Es bemerkten auch die Menschen um sie herum dass das unscheinbare Mädchen plötzlich so aufgeblüht war. So wurde sie von den Frauen beneidet und reihenweise von Männern umschwärmt. Diese konnten sich nicht erklären, wie sie so eine dunkelhaarige Schönheit jemals hatten übersehen können.

Die folgenden Tage vergingen rasend schnell. Das Haar des Mädchen wuchs und mit ihnen ihre Anmut und Liebreiz.
Sie fing an die Zeit mit ihren Freiern zu verbringen und vereinigte sich eines Nachts im Rausch des Weins und der Lust mit einem Fürstensohn, den sie am Morgen mit blauen Lippen und weit aufgerissenen Augen tot neben ihr liegend vorfand. Erschrocken sprang sie auf und während sie aus dem Bett fiel bemerkte sie voller Grauem ihre eigenen zu einem Strick gerollten Haare um seinen Hals geknotet. Der Ruck als sie aus dem Bett fiel warf ihr den leblosen Körper hinterher und man fand sie schreiend und sich windend mit der Leiche an ihrer Brust im Schlafzimmer auf dem Boden liegen.

Man nahm sie fest und sie wurde als Mörderin in den Kerker geworfen. Eine Woche lang sollte sie dort auf ihre Hinrichtung warten.
Die Tage vergingen, ihr Haar wuchs weiter und sie wurde immer schöner, aber keiner bemerkte etwas davon. Im zwielichten Schein der Fackeln war es nicht einmal ihr selbst möglich einen Widerschein von sich in der Wasserschale zu erkennen, die man ihr regelmäßig mit dem Essen durch den Türspalt schob.
Inzwischen war sie allein im Kerker. Mit jedem vergangenem Tag hatte man einen Kerkerinsassen auf mysteriöse Weise stranguliert in seiner Zelle aufgefunden und vor Angst die Hinrichtung des Mädchens aufgeschoben.

Weitere Tage vergingen bis die hölzerne Tür zur Zelle des Mädchens schließlich geöffnet wurde um sie zum Henker zu führen.
Aus Angst um ihre Zauberkraft stülpte man ihr einen Sack über den Kopf und führte sie die Treppen hinauf, aus dem Verlies und durch die fluchende und spuckende Meute geradewegs auf den Henkersplatz. Dabei waren ihre Haare so lang, dass sie unter dem Sack noch meterlang hinter ihr auf dem Boden schleiften. Ab und zu trat man ihr mit Verwünschungen auf die Haare und man zog und riss an ihnen.

Dann stand sie auf dem Podest, das Urteil wurde ausgerufen und ihr der Sack vom Kopf gezerrt.
Plötzlich war alles still. Alle starrten sie an. Jung und Alt. Tränen entwichen ihren Augen und eine alte Frau fing an zu schluchzen. Die erhobenen Zeigefinger wurden gesenkt und manch einer fiel kraftlos auf die Knie. Keiner konnte glauben, dass das prachtvolle Wesen, das gefesselt vor ihnen stand einen Mord begangen haben konnte.

Nahezu unendlich schienen die Sekundenbruchteile zu dauern, die das Mädchen herzklopfend auf dem Podest verbrachte. Dann, als die ersten Männer ihre Hüte abnahmen und sie ehrfürchtig anstarrten, wagte das Mädchen einen Schritt vom Podest.
Schweigend band man ihr die Handfesseln auf, bahnte ihr einen Weg durch die Menge und das Mädchen verließ mit den gaffenden Blicken in ihren Rücken die Stadt.

Nie wieder hörte man von der schwarzhaarigen Schönheit.
Doch drei Tagen später berichtete ein Jäger von einer Höhle im Wald, wo sich die schwärzeste Schlange aufgehalten hätte, der er jemals begegnet wäre. Er sei ihr zu nah gekommen und von ihr angegriffen worden, hatte er erzählt.
Es war ihm gelungen sie zu besiegen, doch nachdem sein Schwert durch den Hals der Schlange auf den Boden aufgeschlagen hatte, hatte er einen meterlangen Zopf aus den schönsten schwarzen Haaren, die er je gesehen hat, in der Mitte durchtrennt auf dem Boden liegend gefunden.
Als man ihn fragte, was er mit den Zöpfen gemacht hätte, hatte er gemeint, er hätte sie sehr gewinnbringend an eine junge reiche Händlerin verkauft, die er auf dem Weg in die Stadt getroffen hatten und die in Verbindung mit der höheren Gesellschaft gestanden hätte. Die Frau hätte kurze blonde Haare gehabt, die sie offen und zerzaust unter einem kurzen Handtuch getragen hätte.



Montag, 5. Juli 2010 21:04

1 Kommentar 5.7.10 21:06, kommentieren

Wenn das Herz sich wandelt...

Wenn das Herz sich wandelt, was passiert mit der Überzeugung?

Egal in welcher Lebenslage wir uns befinden, die Überzeugung gibt uns doch die Kraft und den Willen hinter unseren Entscheidungen zu bleiben und die Ausdauer und die Sicherheit unsere Pläne durchzuführen.

Aber was, wenn die Überzeugung vergänglich ist?
Was wenn sie wie unsere fantastischen Kindheitsträume irgendwann im Alter verschwindet?


Verschwinden Kraft, Wille, Ausdauer und Sicherheit, dann wird die einst so überzeugende Entscheidung plötzlich zu einer tonnenschweren Last.

Wenn das Herz sich wandelt ist der Zweifel ja schon längst überwunden.
Vielleicht mag der Zweifel der Auslöser gewesen sein, aber wenn das Herz endgültig die Seite gewechselt hat, ist es keine Zerrissenheit mehr, sondern eine unumkehrbare Veränderung der Seele.

Muss ich mich dann verpflichtet fühlen und die Konsequenzen ertragen, oder darf ich meine Freiheit wählen und damit die Früchte meiner Entscheidung und dazu meine Würde verlieren?
Was soll der Spruch „Folge deinem Herzen“, wenn mein Herz wider jeden Regeln meine eigenen Versprechen bricht?

Egal welchen Weg ich wähle, die Verluste scheinen vorprogrammiert zu sein.

Wage ich einen Neuanfang, muss ich alles andere hinter mir lassen und es käme einer Flucht gleich.
Bleibe ich auf vertrautem Land, muss ich mein Leben unter der Last meiner voreiligen Entscheidungen weiterführen… es sei denn… es hat die Entscheidung nie gegeben.

Wenn das Herz sich wandelt… muss ich dann vergessen?

 

 

2 Kommentare 6.7.10 06:47, kommentieren

...Wie fühlt sich ein freier Geist wohl an?

Von Büchern und Filmen aus meiner Kindheit kenne ich diese buddhistischen Pilgerreisen des Helden in die Berge um dort von einem Meister trainiert zu werden.

Eigentlich wurde als Allererstes fast immer der Geist gereinigt, und durch stundenlange Meditation gestärkt.

Ich frage mich wie sich das anfühlt, an nichts zu denken und nichts zu fühlen. Wäre schon faszinierend das irgendwann einmal selbst zu erleben. Fragt sich nur wie...

2 Kommentare 6.7.10 21:56, kommentieren

Der Baum des Herzens

 

 

In einem Dorf fernab den großen Städten wurde einer dunkelhäutigen Familie ein weißer Sohn geboren. Er trug alle Merkmale seiner Eltern, nur seine Haut war weiß und rötlich blonde Haare sprossen aus seinem Kopf.

Geliebt von seinen Eltern aber verschmäht von den Kindern um ihn herum wünschte er sich oft, er wäre schwarz.

Eines Abends traf er auf einem Dorffest ein einsames Mädchen abseits im Gras sitzen und mit einem Ast im Sand stochern. Als der Junge sie ansprach erfuhr er nach einiger Zeit, dass das Mädchen davon träumte weiß zu sein.

„Das Leben hier als Mädchen ist mühsam“, sagte es kraftlos, „Gestern habe ich mein heiratsfähiges Alter erreicht und werde einen alten Mann heiraten müssen, der schon vier Frauen gehabt hat. Ein schlimmer Mann, sagt man. Die erste zum Beispiel ist vor Kummer gestorben und die letzte über Nacht geflüchtet. Sie lebt jetzt in irgendeiner der großen Städte unter weißen Leuten, die sie als Frau respektieren. Wie gern wär ich jetzt dort. Aber was soll man machen, der Brautpreis ist zu hoch, als dass meine Eltern ihre Entscheidung ändern könnten.“

 

Bekümmert ließ er sich neben sie auf das Gras nieder. Er drückte ihr ernsthaft sein Mitgefühl aus. Dann erzählte er ihr wie er als einziger weißer Junge von den Kindern in seiner Umgebung gemieden werde und wie er sich wünschte ihnen äußerlich gleich zu sein. Er habe sich sogar als er kleiner war in den Schlamm gewälzt um dunkler zu erscheinen. Die Kinder hatten zwar gelacht, aber ihn doch mitspielen lassen. Zu Hause wurde er von seinen Eltern mit Stockschlägen bestraft und hatte sich seitdem nie wieder im Schlamm gewälzt.

 

Da legte das Mädchen ihm ihre Hand auf den Arm und sagte mit einem wunderschönen Lächeln um ihren Mundwinkel: „ Wusstest du, dass wir alle einen Baum in unserem Herzen tragen?“

Der Junge sah sie verblüfft an. Das sei Unsinn, erklärte er.

„Doch. Wir alle tragen einen Baum in unserem Herzen und jeder ist so einzigartig wie du selbst. Ich glaube meiner ist weiß und trägt ganz viele gelbe Blätter. Nur ein bisschen klein ist er noch und hat noch nicht so viele Äste.“

Der Junge schmunzelte. Dann sei sein Herz also schwarz und trage grüne Blätter, neckte er sie.

„Das mit der schwarzen Farbe könnte vielleicht stimmen aber ich kann nicht in dein Herz schauen. Deinen Baum siehst nur du.“

Warum ihre Blätter denn gelb wären, fragte er sie.

„So sehe ich meine Welt momentan: gelb. Weder grün noch rot. Weder frisch und voller Freude noch trocken und kurz vor dem Absterben. Sondern gelb wie die schlafenden Samen, die noch nicht wissen wie wunderschön sie wachsen werden, wie die Sonne die mein Leben gelb erscheinen lässt; den Boden unter meinen Füßen und die Hütten und ihre Dächer.“

Der Junge wandte seinen Blick zu Boden und die beiden schwiegen für eine Weile.

Dann sagte der Junge, dass er nun wüsste wie sein Baum aussehen würde: schwarz und ohne Blätter, mit langen Ästen, die im Wind seiner Gefühle die Wand seines Herzens zerkratzten.

 

An diesem Abend kamen sie zu dem Entschluss, dass sie das Dorf verlassen mussten. Der Junge, weil er gerne schwarz sein würde aber es daheim nicht sein konnte und das Mädchen, weil sie gerne wie die Weißen in den Städten frei sein wollte.

Vor dem Morgengrauen trafen sie sich und machten sich auf dem Weg. Nach einer langen beschwerlichen Reise hatten sie die Stadt erreicht. Bald schon fanden sie Arbeitsmöglichkeiten, einen Dach über dem Kopf und dunkle und helle Freunde.

 

Eines Abends, einige Jahr später, saßen sie gemeinsam unter einem Baum um den Sonnenuntergang zu beobachten. Die Akazie, unter der sie saßen, erinnerte den Jungen an ihre erste Begegnung.
So fragte er das Mädchen, ob ihr Baum denn nun etwas gewachsen wäre und ob es denn nun auch grüne Blätter tragen würde.

„Ja, grüne Blätter trägt es ab und zu und größer geworden ist es auch. Manchmal werden sie gelb, dann rot und sterben ab. Aber dann braucht es auch nicht mehr lang bis die nächsten grünen Blätter kommen und die Zweige schmücken. Manche Blätter werden sogar golden und sterben nicht ab.“

Der Junge lächelte. Er habe seit dem Abend auf dem Dorf nicht mehr über seinen schwarzen Baum nachgedacht und wüsste auch nicht wie er gerade aussehen würde.

„Ich glaube dein Baum ist braun. Er hat genauso lange Äste wie zuvor, nur viele mehr davon. Blätter hast du auch sehr viele; grüne, rote, gelbe und hier und da ein goldenes. Und der Stamm ist kräftiger und dicker geworden, dass er dem Wind deiner Gefühle standhalten kann, sodass er dein Herz nicht mehr verletzt.“

Warum der Baum braun wäre, fragte er sie.

„Weil jeder Baum braun ist, auch meiner. Nur das Licht des Herzens lässt ihn manchmal in den unmöglichsten Farben erscheinen. Die wahre Form sieht man, wenn man auf die Nacht wartet, der das Licht verschluckt und die Formen und Farben der Wirklichkeit entsprechend widergibt.“

Der Junge lachte kurz und sagte, dass der Baum dann doch farblos sein müsste. Die braune Farbe könnte ja auch nur ein trügender Schein sein. Als er das sagte war er aufgestanden um seine müden Arme zu strecken. Da schwenkte sein Blick seitlich nach hinten und er sah, dass das Licht der untergehenden Sonne ihnen seine Schatten zugeworfen hatte.

Unter dem Baum verbanden sich die Schatten der zwei knöchrigen jungen Menschen zu zwei Ästen des Baumes, der über ihnen stand.

Lächelnd wurde ihm bewusst, dass jeder Baum des Herzens braun sein musste, weil er in Wirklichkeit nur ein Ast eines gewaltigen Baumes war, der, wie dieser kräftige braune Baum hinter ihm, alle Herzen miteinander verbindet.

 

Mittwoch, 7. Juli 2010 20:30

7.7.10 20:46, kommentieren